Pferde Blog für ein friedvolles Miteinan

Was mir mein Claim "Zwei Herzen, eine Sehnsucht" bedeutet



Es war ein ganz normaler Nachmittag. Mein Mutter fuhr mich zum Reitverein, ließ mich raus und ich wackelte auf meinen nervösen Beinchen zum Schwarzen Brett, worauf die tägliche Einteilung der Schulpferde stand. Mein Herz fing noch schneller an zu pochen... Ich sollte ein Pferd reiten, welches ich noch nie geritten bin. Ich sah mich um und fing ein anderes Pferdemädchen ab, welches an mir vorbei ging. Sie erklärte mir, wo mein heutiges Pferd stand und nutzte Wörter, wie "pass auf, wenn du an Pferd XY vorbei gehst, der Beißt immer" und "wenn du ihn putzt, dann kann es sein, dass er dich in der Box gegen die Wand drückt"... usw. Ich ging zum Stall-Bereich, in dem ich noch nie vorher war... Und es verschlug mir den Atem. Mit großen Augen musste ich mich zuerst an die Dunkelheit gewöhnen und sah dann kleine, vergitterte Boxen, in denen die Pferde standen und teilweise wie vernebelt vor sich hin blickten, webten, oder mir bereits aus großer Entfernung Drohgebärden entgegen warfen. Als junges Mädchen mit gerade einmal 10 oder 11 Jahren war das ein riesen Schock. Zitternd ging ich zu meinem Schulpferd und begrüßte ihn vorsichtig. Während dem Putzen verhielt er sich ruhig. Erst als mir dann Ältere Mädchen beim Satteln halfen, weil ich einfach zu lange brauchte, zeigte er seine "zickige" Seite (wie sie dazu sagten).


In der Reitstunde saß ich auf diesem Haflinger und sah den anderen Mädchen dabei zu, wie sie Einzeln um die anderen 7 oder 8 Reitpaare herum galoppieren sollten. Meine Gedanken schweiften ab. Mein Pferd döste dabei. Irgendetwas hatte mir die Brille vom Kopf geschlagen - ich sah plötzlich Dinge, die ich vorher nicht so extrem wahrgenommen hatte... Ich sah den Schmerz in den Augen vieler Pferde. Ich sah das schäumende Maul und die viel zu fest gezurrten Sperrriemen. Ich hörte den aggressiven Reitlehrer herum brüllen und sah angestrengte Reiter-Gesichter. Ich spürte, wie ich in dieser Bubble saß. Mein Pferd war erleichtert. Froh zu stehen und zu dösen. Dass ich ihn ließ, ihn nicht ständig am Maul riegelte. Irgendwie der Aufmerksamkeit des Reitlehrers ausweichen konnte, denn eigentlich durften wir nicht stehen bleiben... Die Sehnsucht packte mich hier das erste Mal mit einer so großen Wucht, die ich mit meinen jungen Jahren nicht beschreiben konnte. Eine Sehnsucht nach Etwas, was ich noch nicht mal greifen konnte.


Es dauerte nicht mehr lange (vielleicht 1 oder 2 Reitstunden später) da brach ein riesen Streit mit dem Reitlehrer vor der Reitstunde los, sodass ich ihm versprach nie wieder zu kommen. Er glaubte mir nicht. Ich kam nie wieder.

Hier kannst du etwas mehr über diese Situation nachlesen



Warum ich dir diese Geschichte erzähle?

Weil es das erste Mal war, dass sich in mir etwas geöffnet hatte. Dass ich spüren konnte, wohin es eigentlich gehen sollte - ohne das Ziel wirklich schon zu kennen. Die Geschichte mit Susi (nachzulesen im oberen Link) hat nur das Fass letztendlich zum Überlaufen gebracht. Und diese Geschichte, dieser gesamte "Werdegang", der emotionale Hintergrund ist Essenziell, warum ich mir diesen Claim "Zwei Herzen, eine Sehnsucht" ausgesucht habe. Jedes Mal wenn ich tiefer in meinen Claim hinein spüre, kommen mir die Tränen hoch. Weil es für mich letztendlich zum größten Schmerzpunkt wurde - ich wollte doch nur eine Verbindung, eine Beziehung zum Pferd. Dinge tun, die das Pferd auch will. Es wurde Hauptbestandteil meiner Entwicklungsreise. Diese Sehnsucht hat mich angetrieben so viele, unterschiedliche Reit- und Trainingsweisen auszuprobieren. Nicht nur einer Richtung zu folgen, sondern vor allem auch so Gegensätzliche Philosophien kennen zu lernen. Ich wollte irgendwo die eine Wahrheit finden. Wie Pferde wirklich ticken, wie wir zu einer vertrauensvollen Partnerschaft und einem echten Team zusammen wachsen können. Wie Pferde zur tatsächlichen Schönheit von Innen heraus finden können. Ohne Schmerzgesicht, ohne in "Form" gebracht worden zu sein, sondern aus sich heraus. Weil sie gefördert wurden, da wo sie auch gefördert werden wollen. Weil sie den Sinn der Sache wahrnehmen und nicht zur Belustigung des Menschen irgendwelche Kommandos zu befolgen.



Zwei Herzen, eine Sehnsucht

Wie sich dieser Satz - dieses Gefühl immer weiter ausbreitet

Als ich bei einem Kurs von einer bekannten Freiheitsdressur-Trainerin dabei war, sah ich es wieder: sie wollte einer jungen Araber-Stute beibringen auf Peitschanschlag zu ihr zurück kommen, weil die Besitzerin mit dem Training überfordert war. Sie trainierte es so, dass sie auf die Brust des Pferdes tippte und dann am Knotenhalfter zog, damit es weiß, dass es zu ihr kommen soll - trotz der Widersprüchlichkeit mit dem Signal an der Brust. Die junge Stute war sichtlich verwirrt und wollte doch so gerne alles richtig machen. Als sensibles Pferd reagierte sie jedoch immer zuerst auf das Tippen der Gerte und ging Rückwärts - hängte sich dann am Halfter auf und kam wieder vorwärts. Das Ganze ging so lang und wurde immer strenger, bis sie aufgab mitzudenken. Sie ließ sich auf die Gerte konditionieren und folgte letztendlich der neuen Bedeutung - auch wenn es komplett gegen ihre natürliche Reaktion ging. Erleichtert ließ sie ihren Kopf fallen, als der Druck aufhörte und sie gelobt wurde. Doch in ihren Augen konnte ich deutlich sehen, wie sie sich in sich selbst zurückzog...


Auch beim Praktikum in Montana begleitete mich ein 4 Jahre junges Pferd namens Emma. Sie war in Ausbildung auf der Ranch und ich durfte mit ihr "trainieren". Sie war so ziemlich das einzige Pferd auf der Ranch, die noch lebendige Augen hatte (hier kannst du mehr über meine Zeit in Montana nachlesen). Mit ihr hatte ich auch einige Momente, bei denen sie so offenherzig neugierig war, mitentscheiden wollte, Dinge vorausnehmen wollte, um zu zeigen wie schlau sie war. Es war dieses unschuldige, dieses Gefühl von: "Wir gemeinsam". Doch das wird so wegtrainiert - hin zu: "Ich und du - gegeneinander". Die Bilder, die ich noch im Kopf hatte, waren wirklich keine schönen. Die Pferde wurden dort gebrochen. Jedes "Auflehnen", jede Mitsprache, jede ehrliche Meinung des Pferdes wurde so erklärt, dass das Pferd damit die Rangordnung in Frage stellt und wir das dann richtig stellen müssen. Das war mit ein Grund, warum ich das Praktikum frühzeitig beendete.


Für mich war das auch ein großer Schmerzpunkt mit meinem Pferd Néo. Egal was ich machte, er wollte buchstäblich nur noch weg von mir. Er riss sich regelmäßig los - beim Spazieren gehen, beim Longieren,... Ich bekam so angst vor ihm. Da es meistens nicht dabei blieb. Denn auch auf mich Draufspringen, war bei ihm hoch angesetzt. So wollte ich keine Beziehung - doch was mache ich falsch? Oder waren es die ganzen Aussagen von so vielen unterschiedlichen Philosophien und Pferdetrainern, die einfach nicht zu uns passten? Nach der Reise nach Montana, verabschiedete ich mich von sehr vielen Bekannten. Ich laß viele Bücher über Beziehung und Vertrauen, jetzt wo ich mehr und mehr wusste, wo ich hin wollte. Dass es nicht um eine Philosophie oder Trainingsmethode ging, sondern um die Essenzielle Partnerschaft zwischen Pferd und Mensch. Ich probierte sehr viel im Eigenstudium aus und erzielte große Fortschritte in unserem Miteinander. Doch auch hier war es nicht Gold, was glänzte. Zwar lehnte sich mein Pferd nicht mehr so sehr gegen mich auf, doch waren wir noch lange von einer wirklich guten Beziehung entfernt. Denn was ich tat, war zwar Freiarbeit ohne Druck - aber ich konditionierte ihn darauf. Mit positiver Verstärkung konditionierte ich ihn darauf das zu tun, was MICH glücklich machte.


Es war mir einfach noch nicht tief genug. Ich merkte, dass was nicht stimmte. Wie in jeder guten Beziehung müssen wir uns auch selbst Reflektieren und auf den anderen eingehen. Uns kritisch hinterfragen und nicht immer alles auf den anderen schieben. Außerdem wurde mir klar, dass mein Pferd die Dinge nicht tat, weil er es für sich und mich tat, sondern weil ich ihm Leckerlies hinein schob. Und auch ein wenig für mich, weil ich eine riesen Energieschwade um ihn herum formte mit der Botschaft "Mach mich glücklich" - und als Beziehungsliebendes Geschöpf, versuchte er, was er konnte... Aber er war damit komplett außen vor. Ich wollte etwas FÜR IHN tun, was ihn wirklich auch glücklich machte. Wie ich das gefunden habe, kannst du hier: Selbstreflexion - "was will ich wirklich?" und hier: So fand ich zum friedvollen Umgang mit Pferden nachlesen.



Die Gemeinsame Entwicklungsreise

Mir ist es so wichtig, dass wir uns zuerst mit dem Pferd im allgemeinen beschäftigen. Erst wenn wir verstehen, warum Pferde wie handeln, wie sie ticken, was ihnen wichtig ist und was nicht - können wir auch besser im Miteinander darauf eingehen. Dann sollten wir uns mit uns selbst beschäftigen - warum möchte ich gewisse Dinge erreichen? Will ich das wirklich oder ist das die kollektive Wahrnehmung? Warum triggert mich das Verhalten meines Pferdes so extrem? Oder weshalb kann ich gerade mit diesem Pferd nicht das erreichen, was ich mir schon immer sehnlichst gewünscht habe? - Alles Fragen, die immens wichtig sind, die Bewusstsein schaffen und helfen, die Beziehung als "Wir" aufzubauen.

In den meisten Fällen machen Pferde mit uns Menschen mit, weil sie einfach nur die Verbindung zu uns suchen, weil sie tief in uns spüren, dass wir etwas zu geben haben, was ihnen dient. Sie bleiben dabei und sehnen sich jeden Tag diesen einen Moment herbei, an dem der Mensch aufwacht und ihm das gibt, was es wirklich braucht. Warum also nicht auf das hören, was das Pferd erreichen möchte? Sie sind so viel feinfühliger als wir es sind und spüren genau, wo unsere Potenziale liegen. Nicht ohne Grund sind sie genau auch bei uns gelandet. Um mit uns diesen Weg zu gehen. Den Weg zu unserer wahren Größe.


Pferde können nicht nur Lehrmeister, Coach oder Freunde sein. Sie sind so viel mehr, als wir es mit Worten beschreiben können. Nicht ohne Grund spricht man häufig von der Magie der Pferde. Nicht ohne Grund erreichen sie sogar Menschen, die sonst von niemanden erreicht werden. Wir suchen die Pferde, um uns dieses Glück, diese Magie zu Eigen zu machen. Doch meistens bleiben wir so sehr bei uns selbst, unseren Wünschen und Vorstellungen, dass wir damit die ganze Magie des Zusammenseins, die Magie des Pferdes erlöschen lassen. Dabei sucht auch uns das Pferd. Sie spüren, dass wir gewisse Potenziale in uns haben, die ihm dienen können. Doch wir überrennen mit unserer lauten Art diese sanften Annäherungsversuche. Wir verleugnen auch so oft unsere eigenen Stärken. Sind so tief in unseren Ängsten und Mustern gefangen und lassen diese unbewusst in unterschiedlichen Ausführungen auch an unseren Fellnasen raus (hier kannst du mehr über die Spiegel- und Resonanzgesetze im Umgang mit dem Pferd erfahren). Doch ich bin der festen Überzeugung, dass wenn Pferd und Mensch - wenn sie in ihrer pursten Ausführung zusammentreffen, wenn zwei Herzen für eine Sache schlagen - alles möglich sein kann.



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