Mein Paddock-Trail-Konzept im Überblick
- vor 6 Stunden
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Seit meine Pferde bei mir leben, begleitet mich eine Frage immer wieder: Wie kann ein Alltag aussehen, in dem Bewegung nicht erzwungen, sondern selbstverständlich wird? "Motion by Nature" ist aus dieser Suche entstanden – aus vielen Experimenten, Fehlern, Beobachtungen und kleinen Durchbrüchen. In diesem Beitrag nehme ich dich mit in mein persönliches Forschungsfeld und zeige dir, welche Themen mich dabei besonders beschäftigen.

Ein Thema, welches mir am Herzen liegt
Motion by Nature ist eine Kategorie auf meinem Blog, in der ich mich mit einer Frage beschäftige, die mir seit Jahren immer wieder im Kopf herumgeht, weil sie im Alltag vieler Pferde wie ein unsichtbarer Grundkonflikt wirkt: Warum leben wir in Haltungsformen und Trainingsweisen, die den Menschen dauerhaft in die Rolle drängen, Bewegung zu kompensieren, während das Pferd als Bewegungstier zugleich in einer Struktur steckt, die ihm genau diese Bewegung, Umweltreize, freie Entscheidungen und oft sogar sozialen Alltag so stark einschränkt, dass daraus Stress, Überdrehen, Verletzungen, gesundheitliche Probleme und im schlimmsten Fall ein dauerhaftes „Management aus Angst“ entsteht?
Wenn Pferde in Haltungssystemen leben, die sie über viele Stunden stillstellen, ist es fast zwangsläufig, dass Menschen anschließend künstlich „Bewegung herstellen“ müssen, mit Führmaschine, Pflichtprogrammen, strengem Trainingsplan, Koppelzeiten als Ausnahmezustand und dem permanenten limitierenden Gedanken, dass man zu wenig tut, während das Pferd im besten Fall nur unterfordert ist, im schlimmsten Fall Stereotypien entwickelt, oder bei seltenen Freiläufen so euphorisch über die eigenen körperlichen Grenzen hinausschießt, dass der nächste "Unfall" schon wieder vorprogrammiert ist.
Was mich an dieser Spirale bis heute so beschäftigt, ist auch deshalb, weil ich selbst darin gefangen war. Ich kenne dieses Gefühl, ständig kompensieren zu müssen, ständig zu denken, man müsse noch mehr tun, noch besser trainieren, noch konsequenter sein, um aus einem strukturellen Mangel irgendwie das Beste herauszuholen. Und ich habe später in meiner Arbeit immer wieder erlebt, wie viele Menschen in genau diesem Kreislauf feststecken, weil die Haltung kaum andere Spielräume zulässt.
Je länger ich mich damit beschäftigt habe, desto klarer wurde mir, dass wir an der falschen Stelle ansetzen, wenn wir versuchen, Bewegungsmangel, innere Unruhe und körperliche Instabilität vor allem über Training zu lösen. Solange Pferde den Großteil ihres Alltags stillstehen, bleibt Bewegung etwas, das organisiert, kontrolliert und kompensiert werden muss – mit allen Folgen für Beziehung, Motivation und innere Balance.
Mein persönliches Forschungsfeld "Motion by Nature" ist aus dem Wunsch heraus entstanden, Bewegung nicht mehr kontrolliert und künstlich herzustellen, sondern sie wieder als selbstverständlichen Teil des Lebensraums und der inneren Natur des Pferdes zu verankern.
Was ist "Motion by Nature"?
Mit Motion by Nature meine ich nicht einfach nur „weniger tun“, sondern anders denken, und zwar in zwei Richtungen, die für mich zusammengehören: Einerseits (und in erster Linie) geht es um passive Bewegung, also um Bewegung, die aus einem klug gestalteten Alltag entsteht, getragen von Orten mit Bedeutung, verbunden durch abwechslungsreiche Wege, sozialer Dynamik, Umweltreizen und der inneren Natur des Pferdes, das grundsätzlich dafür gemacht ist, sich zu bewegen, zu entscheiden, zu erkunden, zu reagieren und sich in kleinen täglichen Routinen selbst zu regulieren.
Andererseits (und eher ergänzend) geht es um aktive Bewegung durch den Menschen, aber nicht im Sinne eines stumpfen, immergleichen Trainings, in dem das Pferd nur ausführende Partei ist oder im Körper „kontrolliert“ und „korrigiert“ wird, bis es zwar funktioniert, aber innerlich immer weniger mitdenkt – sondern im Sinne von Dialog, Motivation, Verständlichkeit, freier Tragkraft und einer Form des Miteinanders, die nicht aus Pflicht entsteht, sondern aus Beziehung.
Das Ziel ist für mich ein Leben, in dem Pferde ihren eigenen Rhythmus finden dürfen, Entscheidungen treffen können, Herausforderungen selbst lösen lernen und körperlich wie mental so stabil werden, dass das gemeinsame Tun mit dem Menschen nicht mehr als Reparaturmaßnahme erlebt werden muss, sondern als Ergänzung, die Freude macht und die Beziehung stärkt.
Futtermanagement
Ein weiteres Themenfeld, das hier sicherlich in Motion by Nature immer wieder auftauchen wird, ist auch die Frage, wie Fütterung den gesamten Lebensrhythmus eines Pferdes prägt, und wie sehr „gut gemeint“ im falschen Kontext ins Gegenteil kippen kann. Ich bin anfangs stark einer gewissen Philosophie gefolgt, die viele anspricht, weil sie so entlastend klingt: Wenn Pferde nur genug bekommen, regulieren sie sich schon von selbst. In meinem Fall kam jedoch vieles zusammen, was diese Selbstregulation nicht begünstigt, sondern übersteuert hat, und zwar nicht nur über Heu, sondern über das gesamte Paket an hochattraktiven Futtergaben (wie eben durch diese spezielle Philosophie propagiert wurde). Ein gewisser Effekt war zwar kurzfristig sichtbar, nämlich Ruhe, Sattheit, eine Art Schläfrigkeit und Entspannung, aber zugleich auch Bewegungsarmut, ein immer stärkerer Fokus aufs Fressen, ein Abflachen von Neugier, und schließlich klare körperliche Warnzeichen. So war offensichtlich, dass dieses System, so wie es aufgebaut war, körperlich nicht trägt, selbst wenn es oberflächlich ruhig wirkt und erst einmal nett und logisch klingt...
Dezentralisierung
Was danach folgte, war keine lineare Lösung, sondern eine Reihe von Veränderungen, Experimenten und Lernschleifen. Als Futter, Wasser und Ruheorte nicht mehr in wenigen Metern erreichbar waren, sondern durch Wege und kleine Alltagsaufgaben miteinander verbunden wurden, kam auf natürliche Weise Bewegung zurück. Gleichzeitig hat mir jedoch auch die Herdendynamik gezeigt, dass eine rein technische Dezentralisierung nicht automatisch Frieden bedeutet, weil mehrere Fressplätze und Futterrationierung auch massiven Stress erzeugen können, insbesondere wenn ein Pferd wie Makani gelernt hat, Ressourcen in einem Modus zu verteidigen, der nach außen wie „Dominanz“ wirkt, in Wahrheit aber häufig eine hochalarmierte Schutzstrategie ist.
Das ist ein Thema, welches ich mich bereits im Allgemeinen gewidmet habe, weil ich daran sehr konkret erleben konnte, wie schnell Pferde, die als „Boss“ etikettiert werden, missverstanden werden, und wie viel Feingefühl es braucht, wenn ein Pferd nicht in ein Opferbild passt, sondern im Schutzmodus „zurückschlägt“, weil es anders nie gehört wurde.
Wenn dich das Thema interessiert, kannst du hier mehr lesen:
Warum soziale Dynamiken bei Pferden oft falsch als Dominanz und Rangordnung gelesen werden
Soziale Dynamiken & Umfeldgestaltung
Makani ist für mich deshalb auch ein Spiegel dafür geworden, was sich verändert, wenn man nicht auf Gewalt gegen Gewalt setzt, sondern einerseits klare, sinnvolle Grenzen und Mobilisierbarkeit herstellt, andererseits aber dem Pferd wieder erlaubt, feiner zu kommunizieren, früher gehört zu werden und sich einer Situation zu entziehen, statt eskalieren zu müssen. Besonders spannend war für mich dabei, dass echte Nachhaltigkeit nicht aus einzelnen Einheiten entsteht – so wichtig der Dialog und die Bewegung miteinander auch waren – sondern aus dem Umfeld, das 24/7 wirkt, und das entweder Stress permanent nachlädt oder Sicherheit permanent mitliefert.
Wenn dich diese Entwicklung interessiert, also wie ein extrem instabiles, ressourcenverteidigendes Pferd über Haltung, Struktur und Kommunikation in eine deutlich feinere, sichere und sozialere Stabilität finden kann, dann ist das eines der Themen, welche ich auch gerne einmal – insbesondere für meine Mitglieder – tiefer aufgreifen würde.
Lebensqualität
Ein weiteres Feld, das in Motion by Nature eine tragende Rolle spielt, ist die Frage, was „Lebensqualität“ im Alltag tatsächlich bedeutet, und warum eine maximale Wiesenfläche nicht automatisch die beste Antwort ist, gerade dann nicht, wenn Fläche begrenzt ist oder wenn Gras als einzige Abwechslung dient. Eine der deutlichsten Erkenntnisse in meinem eigenen Prozess war, dass nicht „mehr Wiese“ die entscheidende Stellschraube war, sondern „mehr Raumlogik“ – also Wege, Orte und Funktionen so zu gestalten, dass Pferde nicht nur irgendwo stehen, sondern immer wieder einen Grund haben, sich zu bewegen, zu wechseln, zu wählen, zu stöbern, zu trinken, zu ruhen – ohne dass alles in einem zentralen Komfortdreieck stattfindet.
Ich habe sehr konkret gesehen, wie viel ruhiger und ausgeglichener meine Pferde wurden, als Weidezeit nicht mehr als Dauerzustand oder alleiniger Höhepunkt den Alltag dominierte, sondern als bewusstes Element in ein größeres System eingebettet wurde, während die eigentliche Basis über interessante Wege, Heu ad libitum und selbstbestimmter Rhythmus stabil blieb.
Abwechslung, stöbern &
Biodiversität durch vertikale Begrünung
Dazu gehört für mich auch, dass Begrünung nicht nur einen ästhetischen nutzen hat, sondern auch gezielte Umweltgestaltung und vertikale Futtermöglichkeit bietet, was wieder zum erkunden einlädt. Zudem liebe ich es der Natur etwas zurückzugeben, zu beobachten, wie andere Tiere immer mehr zurückkehren und sich sichtlich bei uns wohlfühlen. Dabei wähle ich vorzugsweise heimisches Gehölz, oder zumindest Pflanzen, die auch zu unserer Biodiversität beitragen können – und natürlich auch für Pferde geeignet sind.
Weitere Pläne für die Zukunft
Und weil Motion by Nature noch kein fertiges Endprodukt ist, sondern eine spannende, fortlaufende Feldforschung, ist der Blick nach vorn ein Teil dieser Kategorie: Wege weiter ausbauen, Untergründe differenzieren, Aufenthaltsorte noch klarer definieren, Pflanzenstrukturen verdichten, neue „Meetingpoints“ und sinnvolle Ziele schaffen, und parallel dazu weiter beobachten, wie Gewichtsregulation unter Heu ad libitum funktionieren kann und was sich verändert, wenn sich die Dynamik und die soziale Bewegung durch ein weiteres Pferd neu definiert.
Zu all diesen Themen könnte ich super viel schreiben und dich bei meinen Prozessen mitnehmen. Zudem kommen noch neue Themen hinzu, weil wir natürlich lange noch nicht fertig sind – es bleibt also spannend!
Ich bin neugierig, wie sich all das in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird. Und weil ich weiß, dass nicht nur ich am eigenen Perfektionismus leide, möchte ich an dieser Stelle einen Satz meines Mannes teilen, der mir immer wieder den Druck nimmt und mir hilft, diesen Prozess gelassener zu betrachten und auch zu genießen:
"So scheiße wie jetzt gerade, wird es nie wieder aussehen"
Wenn du magst, dann schreib mir gerne in den Kommentaren, welches Themenfeld dich am meisten interessiert, dann weiß ich wo ich beginnen und auf was ich mich im nächsten Beitrag fokussieren kann 😊



















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