Wie kommt es zu Missverständnissen?

Jeder hat es schon einmal erlebt: etwas wird gesagt und etwas fast gänzlich anderes kommt beim Gegenüber an. Das kann sich so verstricken, dass es wegen Missverständnissen sogar zum Streit kommt. So ist es nicht nur unter Menschen, sondern vor allem auch zwischen Pferd und Mensch. Hier haben wir gleich mehrere Barrieren, welche Missverständnisse begünstigen: Die Art-, Sprach- und Mentalitäts Barriere. Zudem kommt noch das so viel stärkere Energiebewusstsein des Pferdes hinzu, sowie das Phänomen der Spieglung. In diesem Beitrag erfährst du also, wie Missverständnisse zwischen Pferd und Mensch entstehen und welche Möglichkeiten es gibt, Barrieren zu überwinden und zu einer klaren Kommunikation zu gelangen.



Alles hat einen Anfang...

Um zu verstehen, wo das größte Missverständnis liegt, müssen wir zeitlich etwas ausholen. Alles begann, als wir Pferde anfingen zu domestizieren. Das ist bereits mehrere Tausende Jahre her und war stark von Gewalt geprägt. Denn damals waren Pferde auch Teil unserer Nahrungsquelle. Ob ein Pferd überlebte oder nicht, hing vom Nutzen ab - Gut zu kontrollieren: Nutztier, schlecht zu kontrollieren: Fleisch. Tieren wurde für so eine lange Zeit nicht einmal eine minimale, selbstständige Intelligenz zugesprochen. Sie wurden so gesehen, wie du heute Insekten siehst - Beinahe Automatisiert und völlig abhängig von Instinkten. So nahmen wir uns, was wir wollten, denn es hieß: Pferde sind Dumm, reagieren durch Instinkte, spüren keinen Schmerz und sind dazu da, uns in irgendeiner Form zu dienen.

Das mag hart klingen, aber es ist noch nicht einmal lange her, da wusste sogar die Wissenschaft nicht wirklich mehr. Gelder gab es nämlich für eine ausführliche Forschung der Tierwelt noch nicht. Das hat sich zum Glück seit einiger Zeit verändert und uns wird immer klarer, wie intelligent und facettenreich Tiere wirklich sind. So auch unsere Pferde.

Einen großen, neuen Beitrag hat die Horsemanship-Szene geleistet. Durch den Beobachtungen von Wildpferde-Herden wollten die Cowboys bzw. Horsemen einen natürlicheren, sanfteren Weg mit ihren Pferden einschlagen, als sie es damals von z. B. ihren Vätern mitbekommen hatten.


Hier kam es zum ersten Missverständnis

Es wurden Situationen beobachtet, die Einprägsam waren. Uns war damals nicht klar, dass Pferde eine fast unsichtbare Sprache haben. So kam es, dass gezielt das beobachtet wurde, was direkt erkennbar war: Hengst-Kämpfe, Vertreibung und Ausschließung von Pferden, Bisse, Tritte und all die körperlichen Konflikte. So zog man das Fazit, dass Pferde nicht zimperlich sind, eine starke Rangordnung haben und der Dominanteste der Boss ist. Doch was tatsächlich statt fand, sah man nicht - da die Zusammenhänge nicht lang genug beobachtet wurden. So flossen nach und nach die neuen Erkenntnisse in den gängigen Umgang mit ein.


Survival of the fittest

Charles Darwin



Um noch besser erklären zu können, wo das "Dominanz" - Denken her kommt, muss ich noch einmal kurz ausholen. Charles Darwin hat durch seine Evolutionstheorie einiges aufgerüttelt. So auch mit dem oben stehenden Satz, welcher bis heute von vielen Menschen ganz schön missverstanden wird. Ein weiterer Grund, warum die Horsemen bei der Betrachtung der Wildpferde genau auf diese Situationen geachtet haben. Durch Übersetzungsfehler bzw. durch das mehrdeutige Wort "The Fittest" bahnte sich ein riesen Missverständnis an: Man dachte, Charles Darwin meinte, dass der Stärkere überlebt. Dass die Ganze Welt darauf abzielt, dass es ein Überlebenskampf ist und jeder sich selbst der Nächste ist. Wer nachgibt, schwach ist oder "verweichlicht", der hätte kein Anrecht, zu überleben. Doch was Charles wirklich damit meinte, ist folgendes: Es überlebt der, der sich am besten und schnellsten anpassen kann. Also das komplette Gegenteil. Denn heute wissen wir auch, dass es Artübergreifende Zusammenschlüsse gibt, welche voneinander profitieren. Es gibt nur ein Bereich, in dem "The Fittest" auch "der Stärkere" bedeuten kann: Zwischen Jäger und Beute. Doch auch da kann ein unterlegendes Tier mit Intelligenz glänzen und den Jäger mit ein paar gekonnte "moves" austricksen. Dabei muss es nicht unbedingt stärker oder schneller sein.

Nun kommen wir wieder zurück, zu den Horsemen. Sie haben also das Horsemanship in die Gesellschaft eingepflegt, mit dem Hintergrund eines Pferdeumgangs, der direkt von den Pferden selbst kommen solle. Doch wie bereits mehrfach erwähnt, wurden auch hier einige Missverständnisse in den Umgang mit eingeflochten. Mythen, wie "wer bewegt wen", Dass Pferde immer darauf aus sind, Boss zu werden und wir somit um die Führung "Kämpfen" müssten, usw... Alles zielte darauf ab, eine Beziehung innerhalb einer Hackordnung aufzubauen und diese mit Einforderung von Respekt und schnellen Reaktionen seitens des Pferdes zu festigen.



Die Entwicklung bis heute

Vieles wurde natürlich hinterfragt, aber einiges wurde auch weiter übernommen. So finden wir zur Zeit ein großes Angebot an Umgangsformen, welche sich ähneln oder gänzlich unterscheiden. Doch die Meisten Umgangsformen zielen auch heute noch darauf ab, das Pferd Nutzbar zu machen. Ein Training - mehr oder weniger Sanft - vom Fohlen ABC bis zum Reitpferd. Gerade wenn eine so gerade Linie als Vorgabe herrscht, sind Missverständnisse vorprogrammiert. Wir haben bestimmte Vorstellungen des Trainings, versuchen die Methoden so umzusetzen, wie es uns beigebracht wurde und stoßen dann auf Widerstand. Zähne werden gecheckt, Exterior wird gecheckt, Blutwerte werden gecheckt... Warum nur widersetzt sich das Pferd dann trotzdem so?


Das starke Energiebewusstsein der Pferde

Pferde nehmen Energien sehr stark wahr. Alle "Beute"-Tiere haben ein starkes Energiebewusstsein. Denn so können sie sich fast unsichtbar verständigen, bei Gefahr miteinander in eine Richtung fliehen (und nicht gegeneinander knallen) und sogar ausmachen, ob der Jäger angreifen möchte oder bereits satt und friedlich ist. Gerade Letzteres ist immens wichtig. Denn falscher Alarm verbraucht Energie und wenn Beutetiere ständig fliehen würden, wenn Jäger in der nähe wären, so wäre das ein schnelles Aus. Also haben sich Beutetiere daran angepasst, Energien besser wahrzunehmen, um wiederum ihre eigenen Energien sparen zu können.


Dieses Energiebewusstsein wird uns jedoch wieder zum Verhängnis. Denn neben der Wahrnehmung der Informationen in unserem Energiefeld, spiegeln uns Pferde auch noch. Dieses Phänomen ist wichtig für den Zusammenhalt und den Lernprozess innerhalb der Herde. Soweit wir wissen, finden Spiegelungen immer und überall statt. Es ist ein unbewusster Prozess, der unterschiedlich ausgeprägt ist. Unter Pferden ist dieser Prozess relativ stark ausgeprägt und ermöglicht ihnen einen noch tieferen Einblick in unsere Energiewelt. So kommt es, dass sie innere Themen (Muster, Gedanken und auch uns unbewusste Inszenierungen) wahrnehmen und darauf reagieren. Wollen wir also etwas bestimmtes von unserem Pferd, was mit unserer inneren Welt nicht in Einklang ist, kommt es meist zu einem Missverständnis: Das Pferd reagiert auf die Energie, anstatt auf die Körpersprache und wir denken, dass es sich uns widersetzt. Dabei kommuniziert es einfach nur mit uns und durch das, was wir gelernt haben - das Pferd ist immer darauf aus Boss zu werden - denken wir, es respektiert uns nicht und möchte unseren Rang hinterfragen. Daraus folgt, dass wir das Pferd strafen, es versteht noch weniger und so geht der Teufelskreis der Missverständnisse immer tiefer...


So war es bei meinem Freiberger und mir

Mit Néo kam eine große Herausforderung auf mich zu. Ein Pferd, welches Druck kaum aushält. Doch gerade in dieser Szene wuchs ich auf, das Horsemanship hatte mich damals sehr gefesselt. Vor allem JoinUp von Monty Roberts. Ich weiß noch, als ich in den Roundpen mit ihm ging (er war damals gerade einmal 2 Jahre jung), um klar zu stellen, wer hier das Sagen hatte. Und das war noch nicht einmal böse gemeint - ich dachte, es gehöre zu einer guten Pferd-Mensch-Beziehung dazu. Dass das Pferd sowas bräuchte... Es wurde ja so suggeriert... Mit meinem damaligen Araber-Mix hatte ich das auch bereits einige Male gemacht und war ganz erfreut, wie gut es funktionierte. Als ich Néo also in den Roundpen abstellte, mein Rope sortierte und anfing, ihn von mir weg zu treiben, rastete er direkt aus. Er lies sich so viel schneller bewegen, als mein Araber-Mix. Doch leider "hörte" er mir nicht zu. Er raste runde um runde, mit dem erhobenen Kopf nach außen und Panik in den Augen. Ich versuchte es mit einem Richtungswechsel (etwas ganz Übles fürs Pferd) und da geschah es auch gleich: Voller Panik versuchte er durch die Latten von mir weg zu klettern und Ratsch... Er schürfte sich am Röhrbein auf... Nun war ICH voller Panik. Zum Glück hatte ihn das etwas herunter gebracht, er stand zitternd da, ließ sich aber "einfangen". Ich ging gleich eine Runde um den Hof, um erleichtert festzustellen, dass er nicht humpelte. Danach versorgte ich die Wunde und ich sage es dir - es war das letzte Mal, dass ich diese Methode anwandte.


Unsere Missverständnisse und was er mir wirklich sagen wollte

Doch es hörte mit dieser Situation nicht auf. Zwar war das JoinUp für mich Geschichte, dennoch waren so viele Lehren über den Umgang mit Pferden wie eingebrannt. Alles zielte darauf ab, das Pferd Gefügig zu machen - mit der edlen Verpackung: Das Pferd braucht das und die Beziehung wird super-schön.

Mein Pferd wurde als Dominant, Respektlos und Unerzogen betitelt. Doch was wirklich dahinter steckte, verstand ich erst einige Zeit später. Zuvor musste ich noch so viele Wege bestreiten. Während dieser Zeit wurde er immer unberechenbarer im Gelände, riss sich los oder Piaffierte mit Drachenartigem Geschnaube neben mir her. In der Halle riss er sich an der Longe los und nahm gerne jede Gelegenheit her, um zu erschrecken. Doch er hatte auch Momente, während denen ich sein wahres Ich erkannte. Wie ein Fels, ruhig und souverän. Doch wie es meist mit solchen Pferden ist - man stößt an seine Grenzen. Die ganzen gelernten Methoden funktionierten nicht. Doch anstatt die Methoden zu verteufeln, verteufelte ich mich selbst. Ich dachte, ich könne mit Pferden einfach nicht...

So ging es zum mehrmaligen Beritt durch unterschiedliche Trainer, was alles nochmals verschlimmerte. Ich besuchte als Praktikantin die Ranch in Montana um Buck Brannamans Horsemanship zu lernen und bemerkte, wie heftig das alles war. Ich glaube, dass dieser Aufenthalt auch letztendlich meine Augen geöffnet hat.


Es folgten noch einige Wege und noch mehr Anzeichen, dass es immer noch nicht das Richtige war. Bis ich Stiller wurde, immer weniger wollte und endlich (im übertragenen Sinne) zuhörte.


Alles fing an, als Néo zur Welt kam. Er wuchs als Freiberger auf - was ihm wegen der Tradition zum Verhängnis wurde. In der Zucht hieß es, dass Freiberger sehr schnell erwachsen würden, so gibt es die Feldtests, welche bestimmten, wie wertvoll ein solches Pferd sei. Bei so einem Test musste auch Néo mit machen. Mit gerade einmal 1 Jahr wurde er an Zaumzeug und Kutsche gewöhnt und ich weiß nicht, wann er eingeritten wurde. Denn ich ritt ihn Probe, als er gerade einmal 2 Jahre jung war. Seine ganze Kindheit und Jugend fiel der Ausbildung zum Opfer. Er musste von Anfang an Funktionieren und hart arbeiten. Vermutlich wurde er dafür auch viel zu früh von seiner Mutter getrennt und lernte so auch zu wenig (wie Geborgenheit, Urvertrauen, Selbstbewusstsein und so viele andere Dinge, die wichtig gewesen wären).

Er brachte also bereits ein riesen großes Päckchen mit in unsere Beziehung - denn ja, jedes Pferd bringt auch seine eigenen Themen mit, es hängt nicht alles nur von uns Menschen ab. Doch in gewisser weise ähneln wir uns, denn solche Pferde, die ähnliches durchgemacht haben, haben eine besondere Anziehungskraft auf uns. Wie auch bestimmte Menschen, von denen wir das Gefühl haben, dass wir an ihnen wachsen können - auch diese sind uns sympathischer, ohne dass wir das bewusst wahrnehmen.

Zusammen mit meinem Päckchen wurde es zu einer Tsunami-Welle. Auch ich befand mich auf einem Arbeits- und Lebensweg, der überhaupt nicht zu mir passte. Doch ich verstellte mich unbewusst so sehr, dass ich dachte, dieser Weg ist der Richtige. Durch andere Gegebenheiten musste auch ich relativ früh Erwachsen werden und eine bestimmte Rolle übernehmen. Innerlich dachte ich wohl sehnlichst daran nur weg zu wollen - raus aus dieser eigenen "Gefangenschaft", weg von dem Druck, den ich mir selbst in jedem Bereich machte. Dieser Drang nach Perfektionismus in einer Arbeitswelt, die eigentlich nicht meine war. Das alles traf mit einem riesen Knall aufeinander, wenn Néo und ich zusammen etwas unternahmen. Er reagierte also auf meine Energie, auf den immensen Druck, auf meine so verfrühte Ernsthaftigkeit, den starken Stress, den ich bereits damals fast chronisch verspürte. Er konnte nicht anders und durch seine Vorgeschichte, wollte er auch nicht mit dem Kämpfen aufhören. Er wollte sich nicht ergeben.


Wie wir es gemeinsam heraus schafften

Der erste Schritt auf unserem Weg, war der Wille, etwas komplett anderes zu lernen. Zu verstehen, was wirklich in Pferden abging. Las ich eine Sequenz von "Dominanz" und anderen Dingen, die das Pferd wieder klein machen sollten, legte ich das Buch sofort wieder weg. Ich forschte selbst mit Néo und erkannte, wie falsch diese alten Lehren waren. Ich verstand, dass so vieles auf Missverständnisse beruhte. Dass Pferde so viel feiner kommunizieren und eben nicht das Bedürfnis haben, ständig Boss zu sein.

Wie es unter Menschen sie gibt, so gibt es auch unter den Pferden Schwarze Schafe. Pferde, die tatsächlich Dominant sind und dies gezielt auslebten. Es gibt mobbende Pferde, Aggressive, unkluge und narzisstische Pferde. Wie auch unter Menschen, gibt es auch in der Tierwelt gute und schlechte Mütter, ein gutes Umfeld und ein eher nicht so Gutes. Je nachdem wie das Pferd aufwächst, welche Wahl es in der Freundschaft und auch in der Herde trifft - das alles ist mitunter ausschlaggebend dafür, was für ein Pferd daraus wird. So gibt es Diktatoren als Herdenchefs, sowie fördernde, Besonnene Pferde an der Spitze. Auch Die Struktur innerhalb der Herden kann immer wieder, je nach Entscheidungsträger anders aussehen. So gibt es starke Aufgabenaufteilungen (und Harmonie) oder Diktatur (und Disharmonie).

Die Horsemen haben also damals eher schlechtere Beispiele einer gut funktionierenden Herde beobachtet. Gerade auch in unseren Ställen sind Herden meistens unter einer Disharmonie. Denn sie können ihre Mitglieder nicht frei wählen, sie müssen damit zurecht kommen, was und wer da ist. Deswegen kracht es auch so oft. Doch in der freien Natur kommt es nicht selten vor, dass sich ein Pferd oder auch mehrere dazu entschließen die Herde zu wechseln.


Dieses neue Verständnis der Pferdepsychologie und Natur der Pferde, ihre Mentalität, sowie auch die Wechselwirkung zwischen der Energie des Menschens und der Spiegelung des Pferdes halfen mir dabei, aus einem Dickicht einen Pfad zu formen und letztendlich meinen Weg zu finden. Ich erkannte, wie stark das Verhalten meiner Pferde mit meiner Energie zusammenhing. Was es ausmachte, wenn man nur einmal bewusst die innere Haltung veränderte. Und wie wichtig es war, bei Konflikten nicht auf das Ego zu hören, sondern auf das Pferd. Gerade in diesem Bereich habe ich durch meine eigene Geschichte einen großen Vorsprung genießen dürfen (auch wenn es damals sehr hart war, konnte ich daraus bis heute extrem viel mitnehmen: Ich habe ein gewisses Talent als Mediator - also Vermittlung und Streitschlichtung). So tastete ich mich langsam voran und erkannte in meinem Pferd immer mehr, dass auch er die Beziehung aufrecht erhalten möchte, aber durch unsere Vorgeschichten, Schutzmechanismen, Muster und unsere Sprachbarriere überhaupt erst Missverständnisse entstanden und er keine besseren Konzepte hatte, wie er die Beziehung zur Harmonie führen konnte. Diese Konzepte musste ich finden.


Wissen, Verständnis und die praktische Anwendung davon ist wohl das A und O für eine friedvollere Beziehung zwischen Pferd und Mensch. Wir können nicht nur mit Liebe herangehen, sondern brauchen auch einen gewissen Überblick, um auch uns selbst zu reflektieren, damit wir nicht in unsere eigene Falle tappen (Schutzmechanismen, Muster, etc...). Außerdem liegt es an uns, die Sprache der Pferde zu erlernen, um auch diese Barriere durchbrechen zu können. Oftmals wird eine gemeinsame Sprache antrainiert - doch gerade da können die meisten Missverständnisse entstehen. Geht die Kommunikation nämlich über die antrainierte Sprache hinaus, sind Pferd und Mensch mit der Situation überfordert. Außerdem entsteht so eine Wand, die eine tiefe Beziehung fast unmöglich macht. Bricht das Pferd also aus diesem Verhältnis aus, da es dir dringend etwas mitteilen möchte, kannst du es gar nicht verstehen, da es außerhalb der antrainierten Sprache kommuniziert. Der Ausbruch ist auch durch die weniger vorhandene Beziehung extremer, als wenn ihr euch ganz natürlich verstehen würdet. Das ist dann das größte Missverständnis: Wenn das Pferd sagen möchte, dass es etwas nicht will und es dann als Dominant, Respektlos, weniger Intelligent, ängstlich oder Faul bezeichnet wird. Und wir dann auf diese Begriffe, abgestimmte Methoden anwenden, um das Pferd wieder gefügig zu machen. Das Schlimmste daran: Wir machen das so unbewusst. Denn uns ist nicht klar, dass so viele Lehren über Pferde eben auch auf Missverständnisse beruhen...





Wie du mit Missverständnissen umgehen kannst

Die meisten Konflikte zwischen Pferd und Mensch entstehen aus Missverständnissen. Bei uns sind es die unzähligen Lehren und Umgangsformen, beim Pferd ist es das starke Energiebewusstsein und ihre andere Mentalität.

Deswegen ist es wichtig, dass du erst einmal einen Schritt zurück gehst und die ganze Situation von Außen betrachtest. Versuche aufzuhören, das Verhalten deines Pferdes Persönlich zu nehmen. Das verleitet das Ego meist dazu, ungerecht zu handeln, da wir denken, wir müssen uns selbst schützen. Danach überprüfst du, welche Gefühle nach oben kamen und vielleicht noch da sind. Fühlst du dich ängstlich? In deiner Autorität untergraben? Hilflos? Wütend? ...? Diese Gefühle entstehen, wenn etwas tieferes getriggert wurde. Das Verhalten deines Pferdes, hat also ein Thema in dir getriggert. Das heißt wiederum, dass dein Pferd auf deine Energie reagiert hat - vielleicht gab es in den letzten Tagen eine Situation im Alltag, welche dieses Thema wieder etwas mehr an die Oberfläche gebracht hat? Oder habt ihr dieses Problem doch öfter? Dann ist es ein Thema, welches dich schon länger begleitet...

Oder bist du unsicher in der Körpersprache? Auch das kann einige Missverständnisse verursachen. Zu hektische Bewegungen, oder Berührungen an Stellen, die Pferde in bestimmten Situationen als unangemessen betrachten, können mitunter Ursachen dafür sein.

Oder - wie einleitend in diesem Absatz schon erwähnt - du folgst einer gewissen Methode / Technik, welche nicht zum Charakter deines Pferdes passt. Es fühlt sich unwohl darin und möchte durch seinen Widerstand zeigen, dass es nicht das Richtige ist. Es fühlt sich nicht von dir abgeholt und verstanden - hat mängel (wie Gras, Pferdefreunde, Auslauf, etc.)...


Die Palette der Entstehungen von Missverständnissen ist lang. Und nur wir können diese in der Pferd-Mensch-Beziehung beseitigen. Durch das Erlernen der Pferdesprache, das Aneignen von Wissen rund um die Psychologie, Mentalität und Natur der Pferde. Durch eine bewusste Reflexion der inneren und äußeren Welt, sowie die eigene Entwicklung, um auch mehr Klarheit in die Persönlichen Themen zu bekommen. So können wir auch unseren Vierbeinern helfen, mehr zu sich selbst zu finden, selbstbewusster zu werden und den psychologischen Heilprozess zu starten. Diese Reise und dieses Wissen hilft uns nicht nur dabei, friedvoller mit dem Pferd umzugehen, sondern vor allem auch mit uns selbst und unseren Mitmenschen. Wir können eine Welle schlagen - als Vorbild - um mehr Verständnis in die Welt zu bringen, um sie gemeinsam ein Stückchen besser zu machen.



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©2020 HORSENSATION® CHRISTINA SCHIRMER
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