Pferde Blog für ein friedvolles Miteinan

Wie du deinem Pferd nachhaltig beibringst, höflich zu dir zu sein oder #6 Distanzlosigkeit

"Dein Pferd muss noch lernen Respekt vor dir zu haben!" Diese Sätze und Ähnliche, habe ich immer wieder gehört. Als ich mich dann informiert habe, wie ich meinem Pferd "Respekt" oder "Höflichkeit" beibringen soll, kamen viele unterschiedle Herangehensweisen. Das, was mir am meisten entsprach, habe ich ausprobiert. Doch es nervte... Jedes Mal trat mein Pferd in meinem Raum - jedes Mal musste ich ihn wieder rausschicken. Es war so nervtötend... Warum wollte er es einfach nicht verstehen? Heute weiß ich was der Grund war. Und heute mache ich es komplett anders... So, wie es jedes Pferd verstehen wird - sofort - ohne Training - ohne Tausende Wiederholungen.

Bestimmt fragst du dich "Hä? Wie soll das gehen? Wie soll das Pferd verstehen, was ich meine, wenn ich es ihm nicht beibringe? Und warum schreibst du das überhaupt in den Titel, wenn du es ja eigentlich gar nicht so meinst?..."

Es ist schon irgendwie "beibringen". Aber wohl auf beiden Seiten - bei dir und deinem Pferd. Es gehört nämlich so viel mehr dazu, als nur zu sagen: "Hey, das ist mein Raum - da hast du nichts drin zu suchen!". Denn im Endeffekt hat so eine Übung auch einige ganz schwerwiegende Folgen für die Beziehung und für die Psyche des Pferdes. Wir müssen zuerst lernen, zu differenzieren, wann es gerechtfertigt ist, wirklich den eigenen Raum zu "schützen". Zudem müssen wir einiges über uns selbst und unsere Lebensweise heraus finden. Wir dürfen nicht immer blind das übernehmen, was in der Herde gezeigt wird. So oft ist es komplett aus dem Zusammenhang gerissen. Und vor allem: woher weißt du, ob das Pferd, welches so aggressiv seinen Raum verteidigt, nicht selber einige Probleme hat?! Warum wollen wir uns an so schlechte Beispiele richten und das nachahmen? Warum nicht viel intelligentere und souveränere Lösungen suchen?


Gleich gehe ich etwas tiefer auf das Spiegel- und Resonanzgesetz ein. Wenn du vorher etwas mehr erfahren möchtest, empfehle ich dir unbedingt die Einleitung der Blog-Reihe zu lesen: Einführung in die Welt der Spiegel- und Resonanzgesetze

So könnte das Thema entstanden sein

Gerade als Kind ist man sehr anfällig für die Worte der Eltern. So können Sätze wie: "Teil doch mal mit XY, sei nicht so Egoistisch" sehr prägend sein. Man lernt so, dass man als Individuum nicht so wichtig ist wie die Anderen und lernt direkt alles her zu geben, als es sich selbst zu geben. Es ist auch ein sehr belohnendes Verhalten, da man auch immer wieder nette Worte zurück bekommt - eben eine Bestätigung. Durch das Zentrieren ins Außen, verliert man die Verbindung zu sich selbst. Dadurch bahnt sich noch mehr der Wunsch nach Beziehung, Verbindung an - die man sich dann wiederum dadurch holt, indem man viel gibt, nett ist und sich fast schon aufopfert.

Das Thema könnte also durch die elterliche Ehrziehung, durch den Wunsch nach Beziehung und Zugehörigkeit, oder durch die belohnende Bestätigung der Handlungen entstanden sein (natürlich gibt es noch mehr Facetten und Möglichkeiten, woher das Thema kommen könnte - aber das wäre mal die Grobe Übersicht).



Resonanzgesetz

So zeigt es sich im Leben und das wird damit angezogen

Menschen, mit diesem Thema, ziehen häufig andere Menschen an, die gerne nehmen bzw. andere Menschen (unbewusst) ausnutzen. Als würde die Energie regelrecht nach Balance betteln, damit sich beide Menschen gegenüber treten und voneinander lernen können.

Personen mit dem Thema fühlen sich schnell überrumpelt, oder gar benutzt. Es fällt ihnen schwer nach Hilfe zu fragen, während sie allen helfen - selbst wenn sie eigentlich gar keine Lust, Zeit oder Energie dafür haben. Wenn in deinem Leben zudem häufig Krankheiten eine Rolle spielen, dann lese hier gerne weiter...


Doch das Schwerwiegendste, was diese Personen mit diesem Thema anziehen, ist das immer wiederkehrende "in den eigenen Raum platzen" bekannter oder gar fremder Personen. Dass sie immer wieder in die Ecke getrieben werden und sie es kaum schaffen, ihren Raum frei von den Über-griffigen Personen zu halten. Sie fühlen sich ausgenutzt, als Opfer oder sind am Ende sogar tatsächlich Dankbar, weil sie damit zumindest ein wenig Aufmerksamkeit für sich gewonnen haben.


Diese Personen ziehen meist dominante Menschen an oder welche, die gerne ihr Ego gestreichelt bekommen wollen. Zudem kommt es vor, dass diese Personen häufiger als andere, unaufgeforderten Rat erhalten (gerade im Stall wird das evtl. ein großes Thema sein).


Personen mit diesem Thema wünschen sich eine tiefe Verbindung und ein Zugehörigkeitsgefühl. Sie haben gelernt, dass sie ihren Fokus nach außen lenken und nicht zu sich selbst. Dadurch entsteht ein Sog - der eben genau solche Menschen anzieht, die aber nicht das Erfüllen, was sich die Person wünscht, sondern sich selbst das auffüllen, was bei ihm ein Mangel ist.



Spiegelgesetz

Das zeigt das Pferd

Auch hier möchte ich wieder betonen, dass jedes Individuum anders auf das Thema reagiert. Aber in der Regel ist es so, dass die Pferde stark auf den Sog "anspringen". Vielleicht hast du es (ich hoffe, es ist ok, wenn ich jetzt ins Du übergehe) schon einmal auf der Koppel oder am Paddock erlebt. Du gehst und willst dein Pferd holen und plötzlich belagert dich die ganze Herde. Sie mümmeln an dir, vielleicht beißt sogar einer in deine Tasche, usw. Wenn dein Pferd zu dir kommt, kommt es dir immer ein Stückchen zu nahe, was dir ein wenig angst macht. Manchmal ist gerade dann die Distanz zwischen euch so gering, wenn es sowieso eine brenzliche Situation ist - und auch das macht dir dann Angst. Dein Pferd überholt dich gerne und schneidet dir dann den Weg ab. Oder es kommt einfach ganz nah in deinen Raum, oder klinkt sich sogar, hinter dich, in deine Wirbelsäule ein, weil es sich da so wunderbar geborgen fühlt.


Es gibt sogar Individuen, die anfangen, dich zu beißen. Manchmal gar wie aus heiterem Himmel. Dieses im "Außen" zu holen, anstatt es sich im "Innen" zu geben, triggert viele Pferde extrem. Für sie ist es ganz klar, dass es sich zuerst um sich selbst kümmert. Und gerade Menschen, die das Thema "Distanzlosigkeit" erleben, haben in sich einen großen Mangel, den sie sich meist durch die Verbindung zu ihrem Pferd (also im Außen) auffüllen wollen. Doch es ist nicht die Aufgabe des Pferdes - sondern die, des Menschen. So gibt es einige Handlungen, die das Pferd im Raum des Menschen ausführt, was wir als "Respektlosigkeit" abtun. Dabei ist es die Energie des Menschen, die das Pferd triggert und auf die es gerne antworten möchte. Es möchte dich einfach darauf hinweisen, dass die Lebensführung - die Energie, die du ausstrahlst - selbstzerstörerisch ist.



So kann daran gearbeitet werden

Nun weißt du, dass es nicht nur beim schlichten "beibringen" bleibt - sondern dass du bereits einen wesentlichen Unterschied ausmachen kannst, wenn du dich mit dem Thema beschäftigst, es vielleicht sogar bearbeitest und deine Lebensweise veränderst. Für dich ist nun wichtig, dass du dir selbst dein/e beste/r Freund/in wirst. Dass du dir selbst deine Mängel auffüllst - ohne dass dein Pferd oder eine andere Person mit involviert ist. So lebst du mehr von Innen nach Außen, anstatt von Außen nach Innen. Der Sog wird immer weniger, du wirst immer weniger Menschen anziehen, die dich ausnutzen und dein Pferd (und auch die Herde) wird vorsichtiger zu dir werden.


Damit ist es natürlich nicht getan. Deine neue Energie kannst du wunderbar unterstützen, indem du diese auch Körpersprachlich untermahlst. Es gibt eine ganz einfache Übung, die dir ein neues Verständnis über deinen Raum vermittelt. Stell dich stabil hin, Arme hängen locker herunter. Schließe deine Augen. Nun hebst du ganz langsam deine Arme auf beiden Seiten - weit ausgebreitet, wie die Schwingen eines Adlers - locker bis über deinen Kopf. Beim Ausatmen lässt du sie wieder sinken. So kannst du dir erst einmal ein neues Bewusstsein für deinen Raum aufbauen. Natürlich kannst es auch energetisch aufladen. So kannst du Wurzel-Kraft vom Boden mit nach oben nehmen (wenn du deine Schwingen ausbreitest) und von Oben zurück in deine Mitte - in dein Zentrum - deine eigene Verbindung / Liebe geben.

Vielen meiner Kundinnen ist es meist gar nicht bewusst, wie viel Raum sie eigentlich zur Verfügung haben. Wenn sie ihre Arme bei dieser Übung ausbreiten, fühlt es sich oft eingeengt an - oder sie breiten ihre Schwingen gar nicht wirklich weit aus. Doch gerade in den nächsten Zeilen ist es wichtig, dass du dir deinem Raum bewusst bist, damit du auch als gutes Vorbild voran gehen kannst und auch deinem Pferd zeigen kannst, wie gut es ist, wenn jeder seinen Raum zur Verfügung hat.



Viele Bewegungen signalisieren dem Pferd übrigens auch besonders nah bei dir zu sein. So sehe ich es beim Leckerli-Füttern sehr oft, dass das Leckerli ganz nah am Körper des Menschen gefüttert wird. Du belohnst damit sozusagen dein Pferd, dass es nicht auf deinen Raum acht gibt.

Besser: Du breitest - wie bei der Übung - deine Hand weit von dir weg aus, dass dein Pferd das Leckerli dort - weit weg von deiner Mitte - abholen soll (und wenn es dabei in seinem Raum statt findet - aber so zeigst du deinem Pferd, dass dir dein Raum wichtig ist und man sich dort höflich aufhält). Noch besser: Du fütterst gar keine Leckerlis ;-)


Wenn du spazieren gehst, kann es sein, dass du immer wieder mit deiner Hand zu deiner Körper-Mitte gehst (Unterbauch). Da ist der Sog sowieso am stärksten. Lass ich dabei mal filmen, dann kannst du das selbst überprüfen (gerade, wenn dein Pferd zum abdrängen neigt). Oftmals ist der Strick recht kurz und immer wenn das Pferd woanders hinschaut, kommt der Arm (unbewusst) und führt ihn in die eigene Körpermitte (Wunsch nach Verbindung). So kommt Zug aufs Seil und das Pferd kommt nochmal näher zu dir. Es wird hier auch unbewusst auf dich und vor allem deinen Körper konditioniert. Besser: Du gibst deinem Pferd den Raum, den er ebenso braucht. Lass den Strick locker, lass ihn durchlaufen und lass dein Pferd da laufen, wo es möchte (es muss nicht neben dir sein). Ihr könnt auch Verbindung jenseits eurer Räume halten. Du bist nicht allein, denn du hast ja dich. Lass das Pferd bei sich bleiben und du bei dir. So wird auch eure Kommunikation wieder leichter. Hier ist es definitiv wichtig, dass du auch deine Energie laufend überprüfst. Lieber keine zu langen Strecken gehen, damit du deine Präsenz aufrecht halten kannst.


Falls du noch mehr Tipps für ein höfliches Miteinander haben möchtest, kannst du dir gerne eine Begleitung auswählen. Bei einer Videoanalyse können wir gezielt heraus finden, welches Thema euer Miteinander prägt, wie du es für dich bearbeiten kannst und wie du es vor allem auch friedvoll in eure Unternehmungen integrieren kannst.



Wenn Pferde lernen, dass Menschen ja nicht anders kommunizieren

Das häufigste Problem von "Respektlosigkeit" - ist tatsächlich hausgemacht. Nicht nur die eigene Lebensweise, sondern vor allem der Umgang mit dem Pferd. Ich erzähle dir hier mal einen normalen Ablauf im Stall- ich nenne die Pferdefrau mal Diana (ich meine nicht dich, solltest du so heißen) und ihr Pferd "Prinz".


Aus der Sicht von Diana:

Diana fährt zum Stall. In Gedanken ist sie noch bei ihrer To Do Liste und überlegt, ob sie es noch zeitlich schafft, nach ihrem Pferd einkaufen zu fahren. Und kochen muss sie ja auch noch... Den stress daheim will sie sich nicht noch einmal geben, wenn es nicht rechtzeitig was zum Essen für ihren Mann gibt. Sie lächelt. Als sie aus dem Auto aussteigt kommt ihr Beate entgegen. Sie unterhalten sich angeregt über ihren Tag und holen gemeinsam ihre Pferde. Beim Unterhalten streichelt sie beiläufig über den Kopf von Prinz, fasst auch schnell zu Beates Pferd rüber, weil die Mähne voller Stroh ist. Sie packt das Halfter über Prinz und geht los. Sie schiebt Prinz von sich weg, als er ihr zu nahe kommt. Die Themen, über die sich die beiden Frauen unterhalten, sind super lustig. Sie ist so froh, dass sie Beate noch erwischt hat. Gemeinsam bürsten sie den Dreck weg und planen, was sie heute machen.


Aus der Sicht von Prinz:

Prinz lümmelt gemütlich am Heu. Heute ist es super heiß und am liebsten würde er sich ins Stroh für ein Nickerchen hauen. Plötzlich spürt er eine hektische Präsenz. Ohne hinsehen zu müssen, weiß er, dass Diana kommt. Er erschrickt vor der plötzlichen Hand, die über sein Gesicht streicht. Er zuckt extra deutlich weg, doch sie registriert es nicht mal. Er lässt seinen Kopf schwer ins Halfter fallen und lässt sich von Diana mitziehen. Am Weg zum Putzplatz will er eine Idee vorschlagen und klopft bei Diana an. Sie registriert es nicht. Also versucht er es auf die körperliche Art. Diana reagiert, aber sie schiebt ihn nur von sich weg. Natürlich. Als hätte sie jemals verstanden, was er wollte... Prinz fängt am Putzplatz an zu dösen. Das harte Bürsten versucht er weg zu ignorieren...


Was ich mit dem Text sagen möchte? Zu einem sollte immer der Fokus beim Pferd bleiben. Wir besuchen ja unser Pferd und nicht unsere Stall-Kollegen. Wir züchten uns damit Pferde heran, die ja "unhöflich" werden müssen, um von uns gehört zu werden. Außerdem ist unser Verhalten unserem Pferd gegenüber alles andere als Vorbildhaft. Wenn wir so Über-griffig und körperlich mit unseren Pferden umgehen, ist es kein wunder, wenn die Pferde genauso mit uns umgehen. Sie denken ja, dass das unsere Sprache ist. Wir lernen es ja sonst nicht anders. Denn wir hören nicht zu.

Wenn wir nicht darauf achten, was wir im Raum des Pferdes machen, warum sollte das Pferd dann darauf achten? Wenn wir uns einfach unser Pferd schnappen und streicheln oder bürsten - ohne dass es einverstanden ist - dann grenzt das meiner Meinung nach schon an Missbrauch. Ich weiß, dass du es nur gut meinst und einfach nur Liebe geben und holen willst. Aber dennoch müssen wir ganz genau auf die Signale des Pferdes achten. Wenn es das einfach an diesem Tag nicht brauchen kann, dann sollten wir das respektieren!

Denn warum sollte dann das Pferd auf dich aufpassen, auf deinen Raum, auf deine Unversehrtheit, wenn du ihm jeden Tag suggerierst, dass es das bei dir in deiner Welt nicht gibt? Pferde lernen daraus, wie wir mit ihnen umgehen. Sie lernen, dass wir nicht anders kommunizieren. Dass wir körperlich sind, abgestumpft sind und kein Energiebewusstsein haben.


Die ganzen Aussagen, von wegen "Dein Pferd muss Respekt lernen" und dann wird es im Kreis gejagt, von einem Weg geschickt, auf die Nase gehauen - oder sonst irgendwas. Wir entlarven uns erneut als Trampel, dass man uns nicht trauen kann und dass wir definitiv keine Ahnung von der Pferdesprache haben. Das Pferd versucht sich anzupassen, unsere Sprache zu lernen und bekommt erneut eins auf den Deckel, weil es ja nicht die "Feine Art" ist.


Hinterfrage dein Tun. Hinterfrage, ob das oben beschriebene Thema doch zu dir passt. Hinterfrage die Meinungen, dass das Pferd "Respekt" durch gewisse "Spiele", anderen Konditionierungen oder gar durch Dominanzverhalten lernen muss. Vielleicht geht es viel einfacher. Im alltäglichen Umgang. Dass du es deinem Pferd achtsam vormachst - vorlebst, was für dich Respekt und Höflichkeit im Miteinander bedeutet. Nicht durch Strafe und Übungen bzw. Konditionierung - sondern durch dich als Vorbild. Weil du zuerst deinem Pferd Respekt und Höflichkeit entgegenbringst, damit es dir damit gleichtun kann.



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